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ERNST
WEEBER „Und
jetzt, mei Freind, horch auf‘n Wind – der möcht
endlich Antwort gebn!“ Ernst Weeber, Jahrgang 1952, kommt
als Liedermacher aus einer Zeit, als Bob Dylans Blowin‘ in
the Wind, dieses Lied voller Fragen nach der Zukunft der
Menschheit, noch ohne Nostalgie gesungen und gehört wurde
und richtig betroffen machte. Die unbeantworteten Fragen sind
seither immer zahlreicher und bedrängender geworden und ohne
Betäubung kaum noch zu ertragen. Ernst Weebers Antwort:
Schwermut in Zorn und den Zorn in eine konstruktive Kraft zurück
verwandeln! Diese Antwort, so behauptet er, habe er dem Wind
abgehorcht...! Er tritt solo auf, nur mit Gitarre und
Mundharmonika, in der Öffentlichkeit seit 1995. Seine Lieder
sind ernst, nachdenklich, balladenhaft, mahnend und oft ganz
schön lang.
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Sie
fragen...
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...ob
die Zeit der Liedermacher nicht längst vorbei ist? Die
Zeit der alten Liedermacher ist vorbei. Doch die Zeit der Lieder
ist nicht vorbei, und deshalb brauchen wir immer neue
Liedermacher. Vielleicht erleben wir eine neue Zeit der
Liedermacher, wenn die Zeit der dröhnenden Musik und der
sound systems vorbei ist oder zumindest eine größere
Zahl von Menschen das Hinhören und die Faszination der
Schlichtheit wieder entdeckt.
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...warum
meine Lieder so ernst sind? Weil ich introvertiert,
grüblerisch und tüftlerisch veranlagt bin. Ich finde es
sehr wichtig, dass es lustige Lieder gibt, und ich bewundere
alle, die ihren Humor geistreich und gemütreich in ihre
Lieder einfließen lassen können, so dass diese Lieder
wirklich herzerfrischend werden. Ich selbst habe übrigens
auch Humor, muss ihn ja haben, denn sonst wär ich gewiss
schon vor die Hunde gegangen. Jedenfalls kann ich auch viel
lachen, besonders, wenn ich mir selber zuschau, wie närrisch
und tollpatschig ich mich durch die Welt bewege. Aber ein
geborener Spaßmacher und Entertainer bin ich nicht. Für
mich war es schon immer mühevoll, einen treffenden und
einigermaßen geistreichen Ausdruck zu finden für das,
was ich sagen will. „Lieder machen“ ist für mich
eine Spielerei und Tüftelei, in die das einfließt, was
mich „ernstlich“ bewegt.
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...warum
meine Lieder so lang sind? Wenn ein neues Lied
hörbar zu tönen beginnt, dann entsteht eine anhaltende
große Freude in mir und dazu eine Strophe nach der anderen,
eine Menge Strophen, bis der Bogen von der ersten zur letzten
vollendet ist. So erzähle ich mir selbst vom Unterwegssein
auf einer langen Straße, von Ort zu Ort...
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...was
meine Botschaft sein soll? Wir Menschen sind in
einer fatalen Richtung unterwegs, das zu behaupten ist inzwischen
ja keine Spinnerei mehr, und immer mehr Menschen geraten in die
fatalistische oder zynische Depression oder in eine Art Panik,
wenn sie sich nicht selbst betäuben oder betäuben
lassen. Ich möchte in mir selbst eine Zuversicht stärken,
die nicht auf Verdrängung oder Betäubung beruht,
sondern auf ehrlichem „Zorn“, auf dem Wissen, dass
„Krise“ nicht notwendig „Untergang“
bedeutet, sondern zunächst einmal „Entscheidung“,
und auf der entschlossenen Wahrnehmung der vielen, vielen
Möglichkeiten, einen anderen Weg einzuschlagen.
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...warum
ich kaum noch auftrete? Weil ich mir sagen lassen
muss, dass meine Lieder zu lang und zu ernst sind, und weil ich
darauf nicht genügend kreativ antworten kann. Meine
Kreativität als Liedermacher hat stark abgenommen. Ob ich
noch weitere Lieder zusammenreimen werde, weiß ich nicht.
Aber ohne neue Lieder aufzutreten macht keinen Spaß.
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Ernst
Weeber
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Texte
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1991
Koa
Mond, koa Stern,
Langweiler,
Kanapee.
1995
Talking
South Africa Bluhs,
Weiter
aufm Weg,
Der
Wind waaht wo er mag,
Ausm
Traum aufgwacht,
Herz
auf der Hand
1996 Café
Sehnsucht,
Horch,
da singt oana a Liad.
1997
Weit
is der Weg (und wo bist du?),
Wer
klopft so spät?,
Schad,
daß i net bei dir bleibn ko.
1998
Gwoant
vor Freud,
Es
soll wieder schöner werdn,
Mei
Herz ghört immer no dir.
1999 Der
Schweiger,
Wenn
d‘Sonn untergeht,
Wenn
i zu dir geh.
2000 Ois
wia wenn i der Täufer waar.
2001 Mei
Herz muaß voller Torheit sei,
Laß
mi bei dir sei wenns‘s renga ofangt,
Der
Sommer geht weiter.
2002 Warum
steh i jetzt ganz vorn?
2007 Wind
um de Ohrn,
Mitternachtsonn.
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Die
Transkription der bayrischen Texte, ejejej, die ist so eine
Sach‘. Ich bin hier nicht nach strengen Regeln vorgegangen
und habe auch keine Sonderzeichen benützt, sondern
geschrieben, wie es mir gerade paßte, mal so, mal so, und
vor allem so, daß die Texte lesbar blieben. Allzubayrische
Wortungetüme habe ich vermieden, herausgekommen ist also ein
bayrisch-hochdeutscher Mischmasch. Ich habe nichts dagegen, wenn
einer, der das münchnerisch geprägte Bayrisch
beherrscht, konsequenter vorgeht und die Texte anders
transkribiert. E.W.
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CDs:
Koa
Mond, koa Stern (1998)
, Mitternachtsonn
(2009)
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